Berufseinstieg

Projekt Berufseinstieg: Schritt für Schritt zum ersten Job

Nach meiner Erfahrung ist es sehr hilfreich, die Jobsuche als Projekt zu verstehen, zu planen und zu managen. Eine Projektdefinition schafft Struktur und Überblick und ermöglicht es, das Vorhaben effizient zu handhaben. Daher habe ich einen Masterplan entwickelt, der Dir hilft, Dein individuelles Jobprojekt zu planen. Ich schlage Dir vor, mit vier Phasen zu arbeiten.

  1. Bewerbungsziel definieren
  2. Selbstpräsentation vorbereiten
  3. Sichtbar werden
  4. Aktiv bewerben

Zur Zeitplanung für die einzelnen Phasen gebe ich nur sehr vorsichtige Tipps, denn sie hängt stark von der individuellen Situation ab. Wenn Du die Zeit nicht einschätzen kannst, mach es zunächst aus dem Bauch heraus. Ein Projektplan ist nichts Statisches. Du kannst (und solltest) ihn immer anpassen, wenn Du klarer siehst.

Grundsätzlich empfehle ich Dir, zunächst mit 6 Monaten für die Dauer der Jobsuche zu kalkulieren. Du kannst anfangs gar nicht genau einschätzen, wie lange es bei Dir dauern wird. Von vorne herein ein halbes Jahr einzuplanen, nimmt einerseits den Druck heraus, dass Du so schnell eine Stelle finden musst, wie es nur einem kleinen Teil aller Absolventen gelingt. Andererseits: In sechs Monaten einen Einstieg zu finden ist realistisch, aber wenn es dann 8 oder 9 Monate dauert, ist diese Verzögerung einigermaßen zu verkraften. Falls Du aber drei Monate geplant hast, und es dann neun Monate dauert, wird es viel schwieriger.

Ich weiß, dass es Gründe geben kann, mit einer kürzeren Zeit zu planen, und wenn Dir das sinnvoll oder notwendig erscheint, dann tu das. Mir liegt nur daran, dass Dir die Risiken bewusst sind, wenn Du das Projekt besonders sportlich angehst.

Skizzierung der vier Projektphasen

1.) Bewerbungsziel definieren

Wie? Lege Beruf/Position, Branche(n), Region(en), persönliche Werte, wichtige Rahmenbedingungen sowie Deine Gehaltsvorstellung und das gewünschte Einstiegsdatum fest. Nutze dazu eine Methode, die Dir hilft Ideen zu entwickeln, zu bewerten und Entscheidungen zu treffen – beispielsweise die Walt Disney Methode. – Wenn Du noch grundsätzlich nach beruflicher Orientierung für Dich suchst, empfehle ich Dir das Buch „Butter bei die Fische“ von Tom Diesbrock. Es ist eine hervorragende Anleitung, um in etwa drei Monaten ein Ziel zu entwickeln.

Warum? Ein klares, konkretes Bewerbungsziel ist notwendige Voraussetzung, um gute Bewerbungsunterlagen zu erstellen und in Vorstellungsgesprächen zu punkten. Es ist das Fundament auf dem die Jobsuche aufbaut. Ohne ein klares Ziel wirst Du nicht kraftvoll agieren können und wenig positive Resonanz bekommen.

Dauer: Je nachdem, welchen Studiengang Du gewählt hast und inwieweit Du Dir schon über die Richtung klar bist, die Du einschlagen möchtest, kann die Zieldefinition eine Sache von 1-2 Stunden, von mehreren Tagen oder ein paar Wochen sein. Wenn es bei Dir noch grundsätzlich um Berufsorientierung geht, dann ist es wahrscheinlich sinnvoll daraus ein vorgelagertes Projekt zu machen und Dich ungefähr drei Monate um die Zielfindung zu kümmern.

Ergebnis: schriftlich fixiertes klares und konkretes Bewerbungsziel.

2.) Selbstpräsentation vorbereiten

Wie?
1.) Mache Dich anhand geeigneter Anleitungen schlau, wie Du gute Bewerbungsunterlagen grundsätzlich ausarbeitest und aufbaust.
2.) Arbeite Deine Unterlagen aus so gut Du kannst.
3.) Lass sie professionell checken.

Die Career Center der Hochschulen bieten diesen Service meist kostenlos und oft bis zu einem Jahr nach Studienabschluss. Auf Karrieremessen gibt es ebenfalls meist kostenlosen Bewerbungsunterlagencheck. Außerdem bieten natürlich auch freie Karriereberater diesen Service an. Eine Investition in den Unterlagencheck lohnt sich fast immer. Einerseits hilft dir das professionelle Feedback größere Sicherheit in bezug auf Deine Unterlagen zu gewinnen. Andererseits hast Du die Kosten schnell mehrfach wieder erwirtschaftet, wenn Du dadurch nur eine Woche früher einen Job bekommst als ohne den Check.

Warum? Weil Du bei der Jobsuche Marketing in eigener Sache machen musst und weil Du dafür gute Unterlagen brauchst. Und weil Personaler bis zu 90% aller Bewerbungen im Grund für unbrauchbar halten, da sie nicht genügend aussagekräftig sind.

Dauer: Ich schlage vor, dass Du Dir einen Monat Zeit gibst, um die Unterlagen vorzubereiten und auszureifen. Für den effektiven Arbeitsaufwand kannst Du Du ungefähr 5-10 Tage ansetzen.

Ergebnisse: Standardversion Deines Lebenslaufs, Zusammenstellung von Zeugnissen und Zertifikaten, erstes Musteranschreiben, ggf. Bewerbungsflyer für Karrieremessen und Events.

3.) Sichtbar werden
(Latente oder auch passive Jobsuche)

Wie?
1.) Aussagekräftige Profile in Businessnetzwerken (XING, LinkedIn), Jobportalen und Karrierenetzwerken für Nachwuchsakademiker anlegen.
2.) Ggf. auch eine Bewerbungsseite und/oder einen Bewerbungsblog aufbauen. Wenn Du im Bereich der sozialen Medien arbeiten möchtest ist das fast schon Pflicht. Ansonsten gilt: Baue nur das auf, was Du auch pflegen und aktuell halten kannst. Ungepflegte Internetpräsenzen wirken kontraproduktiv.
3.) Mit in diese Phase gehört auch zu überprüfen, was man über Dich bei einer Internetsuche findet und bei Bedarf gegenzusteuern.

Warum?
Du sorgst dafür, dass Recruiter und potenzielle Arbeitgeber Dich gut finden und ansprechen können und einen positiven ersten Eindruck von Dir gewinnen. Viele Arbeitgeber nutzen inzwischen das Internet und soziale Netzwerke, um interessante Kandidaten für Ihre offenen Stellen direkt anzusprechen, bevor Sie Stellenanzeigen schalten.
Wenn sich überraschende Jobgelegenheiten ergeben kannst Du potenzielle Arbeitgeber zur schnellen Information auf Dein veröffentlichtes Profil bzw. Deine Bewerbungsseite hinweisen.

Dauer: Wenn Du keine eigene Internetpräsenz aufbauen möchtest genügen wahrscheinlich 1-2 Wochen, um die grundlegende Sichtbarkeit herzustellen. Mit Internetpräsenz solltest Du wohl 4-6 Wochen veranschlagen.

Ergebnisse:
Mindestens ein Profil bei XING, wenn Du nur sehr wenig Zeit hast.
Wenn Du Dich im Ausland bewerben möchtest auch ein Profil bei LinkedIn.
Idealerweise Profile in allen für Dich relevanten Jobportalen.

4.) Aktiv bewerben

Wie?
Ich empfehle Dir, drei Monate lang jeden Monat 20 Bewerbungen zu versenden, wenn Du einen zügigen Einstieg erreichen möchtest.

Warum?
Das hat etwas mit Mathematik zu tun. Denn Du kannst und musst als Absolvent mit 80-90% Absagen rechnen. Diese Quote ist absolut normal im Bewerbungsprozess. Du kannst in der Regel “nur” eine Einladungsquote von 10-20% erzielen. Und Du brauchst vielleicht drei oder fünf Vorstellungsgespräche, um einen Job zu bekommen. Eventuell auch ein paar mehr. Die Absagequote wird von vielen Studierenden und Absolventen unterschätzt. Ich habe im letzten Herbst eine Umfrage dazu gemacht.
Wenn Du um die Absage- und Einladungsquote weißt, kannst Du in gewisser Weise ausrechnen, wieviele Bewerbungen es wahrscheinlich braucht, bis Du einen Job hast. Und dann wird eine Zahl von 60 Bewerbungen zu einer realistischen und sinnvollen Größe.
Ich hoffe, ich schocke Dich mit dieser hohen Anzahl an Bewerbungen nicht allzu sehr. Und wenn doch, hoffe ich, dass es ein heilsamer Schock ist.

Weitere Aktivitäten:
Ich schlage Dir vor, neben Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen auch Initiativbewerbungen zu versenden. Damit erhöhst Du Deine Jobchancen. Und ich empfehle Dir, Karrieremessen zu besuchen, weil Du dort relativ entspannt mit potenziellen Arbeitgebern ins Gespräch kommen kannst.

Dauer:
Die Dauer der aktiven Bewerbungsphase ist natürlich schwer kalkulierbar. Ich würde zunächst mit drei Monaten planen und bei Bedarf die Planung anpassen.

Ergebnis:
Na, hoffentlich ein Praktikums- oder Arbeitsvertrag 😉

Überlappung von Phasen

In meiner Darstellung habe ich die vier Phasen strikt voneinander getrennt. Bei der Umsetzung kann es aber sein, dass sie sich teilweise überschneiden. Dein Bewerbungsziel (Phase 1) sollte klar sein, bevor Du aktiv wirst. Aber in Phase 2 kannst Du ohne weiteres schon Karrieremessen besuchen, sobald Du Deine Unterlagen soweit fertig hast. Auch mit aktiven Bewerbungen (Phase 4)  kannst Du schon beginnen während Du noch weiter Deine Sichtbarkeit (Phase 3) ausbaust. Ein XING- oder LinkedIn-Profil, auf das Du verweisen kannst, genügt als Voraussetzung.

Fazit

Die Jobsuche nach dem Studienabschluss ist eine spannende Übergangsphase mit vielen Unwägbarkeiten. Ein durchdachtes Projekt mit klar definierten Phasen daraus zu machen, erleichtert den Übergang und beschleunigt ihn wahrscheinlich auch.

Ich wünsche Dir viel Glück und Erfolg für Dein Projekt Berufseinstieg.

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3 Gedanken zu “Projekt Berufseinstieg: Schritt für Schritt zum ersten Job

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