Allgemein, Berufseinstieg, Positionierung

Im Check: Infodienst WILA-Arbeitsmarkt

Als ich im Sommer 1987 mein Lehrerstudium abschloss, sahen meine beruflichen Perspektiven so aus: Ich wusste erstens, dass ich nicht Lehrer werden wollte, und ich wusste zweitens, dass ich mich arbeitslos melden musste, um sozialversichert zu sein. Mein Termin beim Arbeitsamt brachte mir eine Begegnung mit einem etwas bizarr wirkenden Arbeitsvermittler. Der teilte mir zunächst mit, dass er mir keine passende Arbeit anbieten könne, auch keinen Ferienjob. Im weiteren Verlauf des Gesprächs holte er irgendwann einen zerknüllten Zettel aus seiner Hosentasche.Er fragte mich, ob ich Interesse hätte, den Sommer über vertretungsweise als Pförtner der Flensburger Brauereien zu arbeiten. Als ich signalisierte, dass ich mir das vorstellen könnte, gab er mir die Durchwahl des Personalchefs der Brauerei. Ich solle ihn anrufen. Offensichtlich waren die beiden befreundet, und nach der Urlaubsvertretung wurde unter der Hand gesucht. – Der Pförtnerjob wurde zur ersten Station meines Berufseinstiegs. Ich verdiente gutes Geld damit und hoffte, nebenbei irgendwie längerfristige berufliche Perspektiven zu entwickeln. Nach ungefähr einem halben Jahr bekam ich das, was man heutzutage einen Boreout nennt. Ideen, was ich beruflich sinnvoll anfangen könnte, hatte ich immer noch keine, Menschen in meinem Umfeld, die mir hätten helfen können, auch nicht. So begann eine mehrjährige Odysee für mich mit mit weiteren Urlaubsvertretungen als Pförtner, mit einem Aushilfsjob im Arbeitsamt und mit einer halbjährigen Überbrückung der Vakanz der Stelle des evangelischen Studentenpfarrers in Flensburg. Und mit wachsender Orientierungslosigkeit und wachsendem inneren Druck.

Hätte ich damals so etwas wie den WILA-Arbeitsmarkt für geisteswissenschaftliche Berufe entdeckt, wäre ich vermutlich sehr froh und dankbar gewesen. Damals gab es den Dienst aber noch nicht.

Was ist WILA-Arbeitsmarkt?

WILA-Arbeitsmarkt ist im Kern ein Infodienst für stellensuchende Akademiker. Er erscheint wöchentlich als gedruckte Zeitschrift in zwei Ausgaben. Eine Ausgabe richtet sich an Bildungs-, Kultur- und Sozialwissenschaftler, die andere wendet sich an Akademiker, die eine Stelle im Bereich Umwelt und Natur suchen. Die Zeitschrift enthält jede Woche mehrere hundert Stellenangebote, die ein Rechercheteam aus einer Vielzahl von Print- und Online-Medien zusammenstellt. In einem 16-seitigen redaktionellen Teil werden Themen behandelt, die Jobsuchenden Wissenswertes und Inspirationen bieten.

Abgerundet wird das Angebot durch ein Onlineportal mit Blog und kostenlosem Zugang zu etwa 10% der Stellenangebote. Darüberhinaus werden Seminare und Webinare angeboten, und für Abonnenten gibt es kostenlose Services wie Bewerbungshotline und Mentoring.

Die Redaktion hat mir einige Probeexemplare zur Verfügung gestellt, und ich habe einen Check gemacht. Vorgegangen bin ich nach der Methode PMI (Plus/Minus/Interessant).

WILA-Arbeitsmarkt im Check

Plus

  • Jede Woche Hunderte von qualifizierten Stellenangeboten
    (ca. 400-500 Angebote für Geisteswissenschaftler und etwa 300 Angebote im Bereich Umwelt und Natur)
  • Sinnvolle Gliederung des Stellenteils nach Berufsbereichen
    (8 Bereiche für Geisteswissenschaftler, 7 im Bereich Umwelt und Natur)
  • Sortierung nach Postleitzahlen
  • Ausführliche Stellenbeschreibungen mit Quellenangabe und Erscheinungsdatum
  • Stellenangebote in der Regel mit Link zu einer Onlineveröffentlichung durch den Stellenanbieter
  • Auswertung von fast 100 Tages- und Wochenzeitungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Auswertung von ca. 25 Fachzeitschriften
  • Möglichkeit für Arbeitgeber zur direkten Schaltung von Anzeigen im WILA-Arbeitsmarkt
  • 16-seitiger redaktioneller Teil mit Schwerpunktthema, mehreren weiteren Artikeln, Kurzbeiträgen und Veranstaltungshinweisen

Minus

  • Ich persönlich würde einer gedruckten Zeitschrift eine Onlinedatenbank mit noch differenzierteren Suchmöglichkeiten vorziehen.

Interessant

Interessant am WILA-Arbeitsmarkt sind neben dem Aufspüren von Stellenangeboten für Bewerbungen vor allem die Möglichkeiten, die Anzeigen für die Entwicklung von beruflichen Perspektiven und Zielen zu nutzen. Hier einige Ideen dazu:

  • Generelle Orientierung über den (eigenen) Arbeitsmarkt
  • Kennenlernen von Berufsbildern durch die Anforderungsbeschreibungen aus Anzeigen
  • Finden von Ansprechpartnern, bei denen man sich weitergehend über bestimmte berufliche Tätigkeiten informieren kann
  • Entwickeln eines Berufszieles in Auseinandersetzung mit den Anforderungen und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt
  • Ermitteln von eigenem Qualifizierungsbedarf anhand von Anforderungsbeschreibungen
  • Ermitteln potenziell interessanter Arbeitgeber für eine Initiativansprache
  • Ausdehnung des eigenen Suchfeldes auf verwandte Berufe
  • Entwickeln von Ideen für alternative Berufsmöglichkeiten

Mein Fazit

Der WILA-Arbeitsmarkt bietet eine einzigartige Zusammenstellung von Jobangeboten für Geisteswissenschaftler einerseits und für Spezialisten aus den Bereichen Umwelt und Natur andererseits. Daraus ergeben sich interessante Nutzungsmöglichkeiten für den Berufseinstieg.

Wenn Du den Infodienst bisher noch nicht bezogen hast, kannst Du ihn mit einem Schnupperabo unkompliziert testen. Dann erhältst Du vier Ausgaben für 10,00 €, und das Abo endet automatisch nach vier Wochen.

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