Tag 4: Ein Masterplan

Heute schlage ich Dir einen Masterplan vor, den Du verwenden kannst, um Dein Projekt Berufseinstieg individuell zu planen.

Zur Zeitplanung für die einzelnen Phasen gebe ich vorsichtige Tipps, denn sie hängt sehr stark von der individuellen Situation ab. Wenn Du die Zeit nicht einschätzen kannst, mach es zunächst aus dem Bauch heraus. Ein Projektplan ist nichts Statisches. Du kannst (und solltest) ihn immer anpassen, wenn Du klarer siehst.

Grundsätzlich empfehle ich Dir, zunächst mit 6 Monaten für die Dauer der Jobsuche zu kalkulieren. Du kannst anfangs gar nicht genau einschätzen, wie lange es bei Dir dauern wird. Von vorne herein ein halbes Jahr einzuplanen, nimmt einerseits den Druck heraus, dass Du so schnell eine Stelle finden musst, wie es nur einem kleinen Teil aller Absolventen gelingt. Andererseits: In sechs Monaten einen Einstieg zu finden ist realistisch, aber wenn es dann 8 oder 9 Monate dauert, ist diese Verzögerung einigermaßen leicht verkraften. Falls Du aber drei Monate geplant hast, und es dann neun Monate dauert, wird das vermutlich eher schwierig.

Ich weiß, dass es Gründe geben kann, mit einer kürzeren Zeit zu planen, und wenn das bei Dir so, dann tu das. Mir liegt nur daran, dass es Dir bewusst ist, wenn Du den Berufseinstieg besonders sportlich angehst.

Phasen für das Projekt Berufseinstieg

Ich schlage Dir vor, mit folgenden Phasen zu arbeiten:

1.) Zieldefinition

Ich hatte es gestern schon festgehalten, dass ich ein klares Ziel für eine unerlässliche Voraussetzung halte, um mit Bewerbungsaktivitäten zu beginnen. Ohne ein klares Ziel, kannst Du nicht kraftvoll agieren und wirst wenig positive Resonanz bekommen.

Je nachdem, welchen Studiengang Du studiert hast und inwieweit Du Dir schon über die Richtung klar bist, die Du einschlagen möchtest, kann die Zieldefinition eine Sache von 1-2 Stunden, von mehreren Tagen oder ein paar Wochen sein. Wenn es bei Dir noch grundsätzlich um Berufsorientierung geht, dann ist es wahrscheinlich sinnvoll daraus ein vorgelagertes Projekt zu machen und Dich zwei bis drei Monate um die Zielfindung zu kümmern.

Meilenstein: ein schriftlich formuliertes Ziel

2.) Unterlagenerstellung bzw. -optimierung

In dieser Phase solltest Du einen Lebenslauf und ein Musteranschreiben vorbereiten. Wenn Du an Karriereevents und Jobmessen teilnehmen möchtest am besten auch einen Bewerbungsflyer.

Diese Phase braucht vielleicht vielleicht ein paar Tage oder ein bis zwei Wochen, um eine gute erste Version Deiner Unterlagen zu erstellen. (Du wirst im Verlauf des Bewerbungsprozesses Erkenntnisse gewinnen, die dazu führen, dass Du die Unterlagen immer mal wieder anpasst.)

Weil von der Aussagekraft Deiner Unterlagen der Erfolg abhängt, zu Vorstellungsgesrächen eingeladen zu werden, empfehle ich Dir sehr, Deine Unterlagen von einem Experten checken zu lassen. Das kann Dir viel Verdruss und auch viel Zeit bei der Jobsuche ersparen.

Meilenstein: Fertiggestellte erste Version von Bewerbungsunterlagen

3.) Latente Jobsuche

Latente oder auch passive Jobsuche heißt, dass Du Dich sichtbar machst. Du sorgst dafür, dass Recruiter und potenzielle Arbeitgebern Dich gut finden und ansprechen können.

Die Meilensteine sind …

  • dass Du ein aussagekräftiges Profil bei Xing und/oder LinkedIn (wenn Du im Ausland arbeiten möchtest) hast.
  • dass Du Profile bei Jobbörsen anlegst.
  • und dass Du am besten auch speziellen Karrierenetzwerken für Absolventen beitrittst.

Wenn Du genügend Zeit hast, kannst Du Dir dafür vielleicht zwei Wochen Zeit nehmen.

Wenn Du wenig Zeit hast, genügt für den Anfang ein Xing-Profil oder für die Jobsuche im Ausland ein LinkedIn-Profil. Ein aussagekräftiges Profil solltest Du als Schaufenster im Netz für Deine Sichtbarkeit unbedingt haben. Du kannst darauf immer sehr schnell und unkompliziert verweisen, wenn sich überraschend Gelegenheiten ergeben. („Ich sende Ihnen übermorgen meine vollständigen Unterlagen. Gerne können Sie sich vorab auf meinem Xing-Profil über meinen Werdegang informieren.“) – Ansonsten kannst Du bei Zeitmangel diese Phase überspringen und gleich in die aktive Bewerbungsphase gehen.

4.) Bewerbung auf ausgeschriebene Stellen

So, und nun komme ich zum inhaltlichen Schwergewicht es heutigen Tages. Ich hoffe, ich schocke Dich damit nicht allzu sehr:

Ich empfehle Dir, drei Monate lang jeden Monat 20 Bewerbungen zu versenden, wenn Du einen schnellen Einstieg erreichen möchtest.

Das hat etwas mit Mathematik zu tun. Denn Du kannst und musst als Absolvent/in mit 80-90% Absagen rechnen. Diese Quote ist absolut normal im Bewerbungsprozess. Du kannst in der Regel „nur“ eine Einladungsquote von 10-20% erzielen. Und Du brauchst vielleicht drei oder fünf Vorstellungsgespräche, um einen Job zu bekommen. Eventuell auch ein paar mehr. Die Absagequote wird von vielen Studierenden und Absolventen unterschätzt. Ich habe vor ein paar Tagen eine Umfrage dazu gemacht.

Wenn Du um die Absage- und Einladungsquote weißt, kannst Du in gewisser Weise ausrechnen, wieviele Bewerbungen es wahrscheinlich braucht, bis Du einen Job hast. Und dann wird eine Zahl von 60 Bewerbungen zu einer realistischen und sinnvollen Größe.

Wie gesagt, ich hoffe, ich schocke Dich damit nicht allzu sehr. Und wenn doch, hoffe ich, dass es ein heilsamer Schock ist.

Du kannst die Dauer dieser Phase und die Anzahl an Bewerbungen natürlich für Dich anders definieren. Aber festlegen solltest Du die Anzahl und die Dauer, damit Du Deinen Plan überprüfen kannst.

Meilentein dieser Phase: Eine Bewerbungsliste mit der Anzahl an eingetragenen Bewerbungen, die Du dir vorgenommen hast.

5.) Initiativbewerbungen (optional)

Initiativbewerbungen erwähne ich hier vorerst nur der Vollständigkeit halber. Du kannst Sie vor allem dann nutzen, wenn Du nur sehr wenige Stellenangebote findest, die zu Deinem Ziel passen. Versuche vorher, die Suche nach ausgeschriebenen Stellen zu optimieren.

Zusätzlich empfehle ich Dir, an Karriereevents teilzunehmen und Jobmessen zu besuchen. Das kannst Du parallel zu anderen Aktivitäten jederzeit tun. Voraussetzung ist eigentlich nur, dass Du einen Lebenslauf oder noch besser einen Bewerbungsflyer parat hast. Auf Events und Jobmessen kannst Du zwangloser Kontakte knüpfen und Gespräche führen, um Dich zu informieren und Erkenntnisse für die weitere Jobsuche zu gewinnen. Es ist auf beiden Seiten nicht der Druck da wie im Vorstellungsgespräch oder Assessment Center.

 

In den nächsten Tagen werde ich konkretere Tipps zum Vorgehen in den einzelnen Phasen geben, und wir werden uns auch mit dem Thema Projektmanagement beschäftigen.

 

Die Aufgabe für heute

Definiere Phasen für Dein Projekt Berufseinstieg und mache einen ersten Zeitplan. Es ist absolut ok, wenn der Zeitplan zunächst aus dem Bauch kommt. Er wird sich sowieso mit wachsenden Erfahrungen und Erkenntnissen ändern. Wichtig ist am Anfang nur, dass Du einen Zeitplan hast.

Und optional wie jeden Tag … Austausch in der Xing-Gruppe

 

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